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Kühe mit Hörnern - ihre letzte Bastion

Das Kuhhorn als Beitrag zur Milchqualität

Kühe mit Hörnern? Im modernen Laufstall viel zu gefährlich, denken die meisten. Sogar in der Biobranche ist das Enthornen der Tiere fast Standard. Allein der Demeterverband wacht streng darüber, dass die Kühe ihre Hörner behalten. Ganzheitlich wirtschaften, heißt es hier. So müssen auch die Kühe ganz bleiben. Die Milch soll davon auch profitieren.

Ein Beitrag von Angelika Vogel
Stand: 25.07.2008 BR Unser Land
 

Kühe mit Hörner im Stall beim Fressen

Landauf landab werden die Hörner der Kühe entfernt. Meist schon bei den ganz kleinen Kälbchen, um die Schmerzen möglichst gering zu halten. Doch einige Alpenländler wehren sich hartnäckig gegen das Enthornen. Wie Demeter-Bauer Franz Obermeyer. Er hält seine Kühe so, wie es eigentlich nicht geht: mit Hörnern im Laufstall.

Geben Kühe mit Hörnern die bessere Milch?

 
Demeter-Bauer Franz Obermeyer im Stall bei seinen Kühen

Einer der Gründe, warum er nicht enthornen möchte: Er glaubt, dass die Milch eine andere Qualität hat. Der Bio-Bauer ist überzeugt, dass die Kuh die Hörner als Hilfe zum Verdauen braucht. Denn die Gase aus dem Magen zirkulieren über die Stirnhöhlen in das Horn hinein und zurück. Das ist wissenschaftlich bewiesen. Füttert man einer Kuh sehr altes Gras, werden die Hörner größer und länger, füttert man junges Gras bleiben die Hörner kleiner, weiß Franz Obermeyer aus Erfahrung.

Große Hörner für schwer Verdauliches also? Die langhornigen Wiederkäuer in den kargen Steppengebieten der Welt scheinen ihm Recht zu geben. Auch manche Menschen mit Milchallergie sind von behornten Kühen überzeugt: Deren Milch verträgt mancher plötzlich doch.

Riskant für den Menschen

 
Demeter-Bauer Franz Obermeyer mit Kuh mit Hörnern draußen

Aber wer diese Produkte sucht, tut sich schwer. Auch Franz Obermeyer ist der Berufsgenossenschaft ein Dorn im Auge. Als Ausbildungsbetrieb wird er jährlich kontrolliert, ob die Unfallverhütungsvorschriften eingehalten werden. Die Hörner bei seinen Kühen sieht die Berufsgenossenschaft nicht gern. Doch bei allen Warnungen, Statistiken zu Hornunfällen legt die Berufsgenossenschaft nicht vor, sagt der Demeter-Bauer.

An seinem Hof hatte Franz Obermeyer jedenfalls noch keinen Horn-Unfall. Dass so ein Unfall für den Betroffenen schwerwiegend ist, ist ihm klar, sagt er. So legt er großen Wert darauf, in der Nähe eines Horns ständig wachsam zu sein.

… und ohne Ausweichmöglichkeiten auch für die Tiere

 
Kuh mit Hörnern zwischen Artgenossen

Gefürchtet sind auch die Rangkämpfe unter den Kühen selbst, die mit Horn besonders grausam sein sollen. Doch, dass Kühe mit Hörnern aggressiver sind, stimmt so nicht, sagt Obermeyer. Von Schlachthöfen wisse man, dass auch Rinder ohne Hörner sehr viele Blutergüsse haben. Mit Hörnern ist der Kampf vor allem schneller entschieden, meint der Landwirt.

Trotzdem, ganz einfach war es nicht immer: Denn sein Stall war für enthornte Tiere gebaut und als behornte Tiere reinkamen, musste er seine Milch wegen Euterverletzungen mehr als einmal wegkippen. Damals hätte er fast aufgegeben.

Ein Stallumbau war nötig

 
Enthornte Kuh mit blutendem Gewebe an der Stelle, wo das Horn war

Bildunterschrift: Das wollte Franz Obermeyer nicht.

Doch statt zu Enthornen, was für erwachsene Kühe sehr schmerzhaft ist, hat er seinen Stall vergrößert und umgebaut, den Abstand der Freßgitter verbreitert und Sackgassen im Laufstall aufgelöst. Jetzt können sich die Tiere gegenseitig aus dem Weg gehen und verletzen sich auch nicht mehr.

Auch der Kraftfutterautomat, an dem es immer wieder zu Rangkämpfen kam, steht seitdem unbenutzt herum. Stattdessen wird die Getreidemischung mit der Hand gefüttert. Das ist zwar viel mehr Arbeit als bei konventioneller automatisierter Milchviehhaltung. Doch die Umstellung auf das aufwendige biologisch-dynamische Wirtschaften und seinen Kampf um die Hörner hat Franz Obermeyer nicht bereut. Er ist überzeugt, dass sich die Mühe lohnt: Für seine Tiere, für seine Milch und vor allem für ihn selbst.

Schmerzhaftes Enthornen
Ein Horn ist kein totes Gebilde, sondern ein mit Nerven durchzogenes, durchblutetes Körperteil. Einmal amputiert, wächst es nicht wieder nach.

Für Idealisten

 
Kuh mit Hörnern im Fressgitter schaut neugierig in die Kamera

"Aus dem Erfahrenen die richtigen Schlüsse zu ziehen, es in Zukunft noch besser zu machen und letztendlich Lebensmittel zu erzeugen die den Menschen lebendig erhalten sollen," macht für ihn den Reiz der biodynamischen Wirtschaft aus.

Idealisten und viele kleine traditionelle Betriebe sorgen dafür, dass es noch Kühe mit Hörnern gibt. Die meisten davon leben im Alpenraum, der als die letzte Bastion der Hörner gilt.

 
Weitere Informationen
Franz Obermeyer, Demeter-Landwirt
83373 Taching
Tel. 08687/690

Es gibt zwei Broschüren vom Arbeitskreis Hörner tragende Kühe zu bestellen über

BioRing Allgäu e.V.
Der Arbeitskreis Hörner tragende Kühe
zu 'Kühe ohne Hörner?'
www.bioring-allgaeu.de/doku/horn.htm

Schweizer Tierschutz
'Tiergerechte Stalleinrichtungen: Ein Laufstall für Kühe mit Hörnern'
www.tierschutz.com/....pdf
Landwirtschaftskammer NRW
'Keine Angst vor Kühen mit Hörnern'
www.oekolandbau.nrw.de/.../hoernersemiar.html
ZeitenSchrift, Schweizer Magazin
zum Nutzen der Hörner für die Kuh
www.zeitenschrift.com/...